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Mögliche Aufgabenbereiche eines hauptamtlichen Jugendkoordinators

Aktualisiert: 5. Aug 2020

Beispiel TSV Seeg-Hopferau-Eisenberg (TSV SHE)


Seit Juli 2012 bin ich beim TSV Seeg-Hopferau-Eisenberg (TSV SHE) als hauptamtlicher Jugendkoordinator angestellt. In einem Verein fallen etliche Aufgabenbereiche und Tätigkeiten an und in vielen davon kann ein Vollzeitbeschäftigter unterstützen. Im Folgenden fasse ich jene Bereiche zusammen, in denen sich in den letzten acht Jahren meine Schwerpunkte abgezeichnet haben. Ich orientiere mich auch in diesem Beitrag grob am entsprechenden Kapitel meines Buches "Der zufriedene Kindertrainer".


1) Suche von geeigneten Kinder-, Jugend- und Erwachsenentrainern

Auch bei uns herrscht hier riesiger Bedarf. Wir konnten uns in den vergangenen Jahren über einen tollen Zulauf freuen und haben regelmäßig zwischen 17 und 21 Mannschaften im Spielbetrieb. 2019/20 werden bspw. 20 Mannschaften (Bambini, G2, G1, F4, F3, F2, F1, E2, E1, D3, D2, D1, C, B, A sowie vier (!) Herren und eine lebhafte AH) von uns betreut. Eine Vielzahl von Teams also, die einerseits bestätigt, dass wir zumindest auf stabilen Beinen stehen, andererseits aber umsorgt werden muss. Und hier sind wir nach wie vor auf möglichst viele Ehrenamtliche angewiesen, die sich einbringen. Auch deren Suche fällt ins Aufgabengebiet des hauptamtlichen Mitarbeiters. Ich beteilige mich hier aktiv und halte ständig Ausschau nach geeigneten Personen, führe mit diesen Einzelgespräche, versuche sie für eine Mitarbeit zu gewinnen, ggf. einzuweisen und sie bei Bedarf zu unterstützen.


2) Betreuung und Unterstützung der ehrenamtlichen Mitarbeiter

Finden wir welche, so versuchen wir, wo es geht eine Hilfe für die Menschen zu sein, die sich neben Arbeit, Familie und der wenigen Freizeit noch die Stunden herausschneiden, um Kinder-, Jugendliche und Erwachsene im Training anzuleiten und bei den Spielen zu betreuen. Eltern, Spieler und außenstehende unterschätzen hier den Zeit- und Energieaufwand manchmal enorm. Wie wir als Verein und speziell ich als Hauptamtlicher hier unterstützen können, ist sehr unterschiedlich und individuell. Manche Trainer möchten es auch gar nicht und kommen bestens allein mit ihren Mannschaften zu Recht. Hier halte ich mich dann komplett heraus und stehe nur bereit, falls sie irgendwann einmal Unterstützung brauchen sollten.

Sind ehrenamtliche Coaches beispielsweise einmal krank, können aus beruflichen Gründen nicht mit zu einem Spiel oder Turnier, haben Probleme mit Eltern oder einzelnen Spielern und möchten, dass ich helfe oder wollen sie Spiele verlegen und brauchen Infos zur Platzbelegung, dann können sie sich jederzeit an mich oder auch an die Abteilungsleitung wenden.

Zumindest unsere Erfahrung ist, dass es leichter wird, ehrenamtliche Trainer und Menschen zu finden, die sich einbringen, wenn sie wissen, dass sie notfalls auf die Unterstützung eines Hauptamtlichen zurückgreifen können. Unsere Abteilungsleitung besteht zum Beispiel aus 10 (!) Mitgliedern und wir hatten beim Ausscheiden einzelner Funktionäre niemals Probleme, Nachrücker zu finden. Jeder tut was er kann, alles was über dieses Pensum hinausgeht, wird so gut es geht vom Hauptamtlichen aufgefangen. Im Moment bringen sich darüber hinaus viele Eltern, Spieler und Jugendliche gerne in dem ihnen möglichen Rahmen ein.

3) Betreuung der schwächeren Mannschaften

Es mag jetzt vielleicht für manche Leser etwas überraschend kommen, aber die Hauptaufgabe unseres Vollzeitbeschäftigten besteht jedes Jahr zu einem sehr großen Teil in der Betreuung der noch etwas schwächeren Teams. Nun sollte man meinen, jemand, der sich – zumindest auf den ersten Blick – permanent mit Fußball auseinandersetzt und hier aufgrund der jahrelangen Tätigkeit einen gewissen Erfahrungsschatz aufbauen konnte, sollte die stärkeren Mannschaften betreuen und dafür sorgen, dass der Verein irgendwann sportliche Erfolge einfahren kann. Dies ist bei uns aber aus zwei Gründen nicht der Fall:

Erstens stehen sportliche Erfolge bei uns nicht im Vordergrund, sondern Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die einem sozialen, gesunden und schönen Hobby nachgehen möchten. Und diesen wollen wir hierzu geeignete Rahmenbedingungen schaffen, völlig unabhängig davon, ob dies sportliche Triumphe für den Verein mit sich bringt oder nicht. Unsere Schwerpunktsetzung ist also ganz klar Breitensport und der Anspruch muss daher für uns sein, dass schwächere Spieler ganz genauso wertgeschätzt werden und wichtig sind wie die stärkeren.

Der zweite Grund, warum ich vor allem die schwächeren Mannschaften betreue ist schlicht und einfach der, dass wir für die stärkeren Kicker wesentlich einfacher ehrenamtliche Trainer finden. Eine F1, E1 oder D1 besteht normalerweise aus den besseren Spielern eines oder zweier Jahrgänge, die fußballbegeistert und sehr eigenmotiviert sind. Mit so einer Mannschaft macht es zumeist sehr viel Spaß, die Kids kommen regelmäßig ins Training, beschäftigen sich auch über das Vereinsleben hinaus viel mit Fußball und im Regelfall stehen deutlich mehr Siege als Niederlagen zu Buche. Oft sind es auch gerade die Papas, die selbst einen Fußballbezug und begabte Kinder haben, die hier gerne als Trainer oder Betreuer mitwirken und sich einbringen. Aber auch für Hobby-Trainer ist dies ein attraktives Tätigkeitsfeld, in dem das Coachen sehr viel Spaß machen kann.


4) Organisation und Durchführung des Trainings-/Spielbetriebes

Ein essenzieller Aufgabenbereich besteht für mich in der Organisation. Einmal bei Platzeinteilungen, Vergabe von Trainings- und Hallenzeiten sowie dann vor Ort bei der Unterstützung während der Übungseinheiten und Spiele. Normalerweise bin ich von spätestens 15:00 Uhr bis teilweise ca. 22 Uhr am Fußballplatz oder in den Turnhallen unterwegs (siehe unsere Trainingspläne am Ende dieses Abschnitts) und in verschiedenen Trainings eingespannt, zumeist zusammen mit den anderen Coaches. Entweder in einem Stationstraining oder jeder einzeln mit seiner Mannschaft. Auf einem unserer Fußballplätze oder einer der beiden Turnhallen bin ich aber im Normalfall anwesend und helfe dann mit, wo es sinnvoll ist und gewünscht wird.

Die Einteilung und Suche von Schiedsrichtern (und dies ist ebenfalls eine sehr schwierige und kräfteraubende Aufgabe) läuft in der Regel auch über mich und die Trainer müssen sich dann um diesen undankbaren Job normalerweise nicht kümmern.

Ein festes Infoblatt zu Beginn jeder Runde (Herbst und Frühjahr) hat sich aber bei uns im Verein ebenfalls bewährt. Die einzelnen Coaches müssen hier nichts machen, um die Erstellung und Zusendung der Blätter (per E-Mail) kümmert sich der Vollzeitbeschäftigte. Den Trainern wird so organisatorisch das Leben doch einen Tick einfacher gemacht und sie können sich auf ihre Aufgaben in Training und Spiel konzentrieren. Ein beispiel für ein solches Infoblatt finden Sie unter den Trainingszeiten.


Trainingszeiten Winter
Trainingszeiten Freiluft-Saison
Beispiel Infoblatt Seite 1
Beispiel Infoblatt Seite 2

5) Organisation und Durchführung von Veranstaltungen

Beim TSV SHE stehen des Weiteren über das Jahr gesehen etliche Veranstaltungen an. Im Sommer richten wir über zwei Wochenenden verteilt (jeweils Freitag-Sonntag) ein großes Kinderturnier (Simon Paulsteiner Gedenkturnier) mit insgesamt 120–150 Gastmannschaften aus. Einladung, Einteilung der Helfer, Erstellen der Spielpläne, Betreuung der angereisten Teams, Siegerehrungen usw. gehören dann zu meinen Hauptaufgaben und beanspruchen auch im Vorfeld sehr viel Zeit und Energie. Für unsere Kinder ist dies aber ein Highlight und auch finanziell tut es uns gut.

Ebenfalls im Sommer richten wir in Eigenregie ein Fußballcamp mit 80–100 teilnehmenden Nachwuchskickern aus dem eigenen oder näher gelegenen Vereinen aus. Hier kümmere ich mich um Gruppeneinteilung, Zusammenarbeit mit dem örtlichen Sportgeschäft, Trainersuche und bin durchgehend das ganze Wochenende vor Ort, wo ich die Trainings koordiniere und anleite. Auch hier wird bereits im Vorfeld etliches an Organisation abverlangt, damit das Camp dann reibungslos abläuft.


Neben diesen beiden „Großveranstaltungen“ gibt es jeden Winter noch zwei eigene Hallenturniere (jeweils von Freitagnachmittag bis Sonntagabend) und mehrere kleinere Turniere, Freundschaftsspiele, Abschluss- und Weihnachtsfeiern zu planen und durchzuführen. Dies mache ich entweder federführend oder stehe den jeweiligen Trainerteams als Ansprechpartner sowie Unterstützung auf Abruf zur Verfügung. Unterschätzen sollte man diesen Organisationsaufwand im Hintergrund nicht. Ich denke, alle Vereinsvertreter, die schon mal Turniere oder ähnliche Veranstaltungen organisiert haben, wissen, wie viel hier bereits im Vorfeld im Hintergrund organisiert werden muss und wie kräftezehrend und nervenaufreibend ein solches Turnierwochenende sein kann.


Eindruck vom Fußballcamp. Knapp 100 Kinder nehmen hier jedes Jahr teil!

6) Elternzusammenarbeit

Unheimlich wichtig ist bei uns eine gute Eltern-Kommunikation und Zusammenarbeit. Ohne die Unterstützung der Erziehungsberechtigten als Fahrer, Trikotwäscher, Helfer, Fans und Zuschauer wird es sehr schwierig in einem Dorfverein. Glücklicherweise haben wir beim TSV SHE noch viele Mamas und Papas, die einen Bezug zum Verein haben, uns gerne unterstützen und mit anpacken, sofern es zeitlich für sie möglich ist. Die Aufgabe eines hauptamtlichen Mitarbeiters ist es, hier eine gute Rücksprache zu halten, Ansprechpartner bei Fragen, Kritik und Anregungen zu sein, die Eltern um Hilfe bei Veranstaltungen, Trikotwäsche und Fahrdiensten zu bitten und bis zur D-Jugend einmal jährlich einen Elternabend zu organisieren.

7) Öffentlichkeitsarbeit

Auch hier gilt das Prinzip: Es muss nicht immer perfekt sein, aber eben zufriedenstellend, wenn möglich ordentlich und vor allem regelmäßig und zuverlässig. Unser Vollzeitbeschäftigter nimmt auch hier einige Bereiche federführend in die Hand und beteiligt sich an der Suche nach Ehrenamtlichen, die Lust und Zeit haben, eine Aufgabe zu übernehmen. Hierunter fallen beim TSV SHE die facebook- und instagram-Auftritte, die Betreuung der Homepage, das Erstellen von Zeitungsartikeln und Spielberichten, die Pflege des FuPa-Auftrittes sowie einmal Jährlich die Erstellung eines umfangreichen Vereins-Infoheftes mit Mannschaftsfotos und Saisonrückblick.

Zusammenfassung

Einige Aspekte, die zentral für eine mögliche Vollzeitstelle in einem Breitensportverein sind und die Ihnen meines Ermessens unbedingt bewusst sein sollten, kristallisieren sich anhand der oben geschilderten Schwerpunkte vielleicht schon etwas heraus.


Erstens: Es geht trotz Hauptamtlichem nur als Team und mit der Unterstützung vieler, die auch hinter so einem Konzept stehen und dieses mittragen wollen. Ein Einzelkämpfer, an den alle Aufgaben und Probleme abgeschoben werden, brennt nach kürzester Zeit aus und kann nicht einmal im Ansatz vorwärts kommen bzw. die in einem Verein anfallenden Tätigkeitsbereiche meistern. Die Palette, der bei uns in der Abteilung in hohem Maße mitwirkenden und genauso wichtigen Personen reicht von den Funktionären, über das gesamte Trainerteam bis hin zu den Eltern und Spielern, die allesamt nach wie vor ehrenamtlich tätig sind. Sind diese Bereitschaft bzw. das Verständnis, dass von so einer Stelle im Idealfall alle profitieren können nicht vorhanden, wird es wahrscheinlich von Anfang an schwierig. Wir haben bei TSV SHE das große Glück, dass die überwältigende Mehrheit der Vereinsmitglieder einen solchen Arbeitsplatz mittlerweile mitträgt und diesen als sinnvolle Einrichtung ansieht. Ehrenamtliche und Vollzeitbeschäftigter unterstützen und ergänzen sich gegenseitig und versuchen, so ein gutes Umfeld zu schaffen, in dem sich jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten entfalten und einbringen kann.


Zweitens: Der Hauptamtliche muss in der Lage sein, sich selbst etwas zurückzunehmen und sich vor allem als Unterstützung zu begreifen, der den Ehrenamtlichen auch einige undankbare Herausforderungen abnimmt. Dies sollte einerseits nicht dazu führen, dass im Extremfall alle unliebsamen Bereiche auf eine Art „Vereinstrottel“ abgeschoben werden, von dem man dann auch noch wahre Wunder und schnelle Lösungen erwartet. Andererseits sollte sich der Hauptamtliche aber immer bewusst sein, dass nicht er im Mittelpunkt steht, sondern das große Ganze und die Zufriedenheit möglichst vieler Vereinsmitglieder. Auch wenn dies immer wieder bedeutet, das eigene Ego und die persönlichen Vorstellungen und Zielsetzungen unterzuordnen.


Und drittens: Alle Beteiligten sollten nicht zu viel erwarten und die Stelle als das sehen, was sie ist: Eine gute Grundlage, um auch in Zukunft Breitensport anbieten zu können. Mehr ist es nicht und sportlich haben wir beim TSV SHE den letzten Jahren nicht allzu viele Fortschritte gemacht. Niemand im Vereinsumfeld sollte zu viel Druck aufbauen und einen schnellen Höhenflug erwarten.


Soweit eine grobe Zusammenfassung, worauf und wie die Tätigkeitsschwerpunkte unseres hauptamtlichen Mitarbeiters verteilt sind. Ich hoffe, Sie können sich zumindest grob ein Bild der anfallenden Aufgaben machen. Unterschätzen sollte man vor allem den organisatorischen Aufwand vom Schreibtisch aus nicht. Mit den oben genannten Aufgaben sowie Trainings- und Spielplanung verbringe ich vermutlich ca. 30% meiner Zeit am Schreibtisch. 70% ist dann Trainingsarbeit und Betreuung bei den Spielen.


Insgesamt empfinde ich meine Aufgaben als eine spannende, sinnvolle und soziale Tätigkeit, die mir viel Freude bereitet. Ich würde mich freuen, wenn hier vielleicht in den kommenden Jahren und Jahrzehnten ein neues Berufsfeld entstehen würde, das einen nachhaltigen Beitrag leistet, die Zukunft der kleinen Sportvereine auf dem Lande zu sichern.


Zum Verfasser:

Tobias Scherbaum ist hauptamtlicher Jugendkoordinator in einem Breitensportverein. In seinem Blog stellt er Überlegungen zur Zukunft des Breitenfußballs im unteren Amateurbereich an und gibt Einblicke in seinen Arbeitsalltag. Im vorangestellten Beitrag zeigt erläutert er einige seiner Aufgaben beim TSV Seeg-Hopferau-Eisenberg.

Weitere und ausführlichere Infos im Buch und Blog:

"Der zufriedene Kindertrainer "

www.der-zufriedene-kindertrainer.de

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