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Finanzierung einer Vollzeitstelle im Breitenfußball

Aktualisiert: 5. Aug 2020

Beispiel TSV Seeg-Hopferau-Eisenberg (TSV SHE)


Vermutlich können einige Vereine zumindest nachvollziehen, dass die Anstellung eines hauptamtlichen Mitarbeiters auch im Breitenfußball im Idealfall eine Entlastung und wichtige Ergänzung für das Vereinsleben sein kann. Abschreckend oder mit großen Fragen verbunden wird in vielen Fällen allerdings die die Finanzierung sein. Reißt dieses Vorgehen ein Loch in die Kasse und wird zur immensen Belastung für den Verein, dann sind wahrscheinlich mittel- und langfristig die negativen Konsequenzen nicht tragbar. Im Folgenden möchte ich daher näher erläutern, wie wir dies bei uns im Verein stemmen und die Anstellung eines vollzeitbeschäftigten Jugendkoordinators finanzieren können. Ich gebe inhaltlich das Kapitel 4.0 meines Buches "Der zufriedene Kindertrainer" an dieser Stelle in weiten Teilen wieder.


Beim TSV SHE können wir guten Gewissens behaupten, dass wir trotz – oder vielleicht auch wegen – der Vollzeitstelle in den letzten acht Jahren immer eine finanziell gesunde Jahresbilanz hatten. Dies beinhaltet auch fortlaufend Mittel für den Erwachsenen-, Kinder- und Jugendspielbetrieb, die Infrastruktur und alle weiteren Ausgaben rund um die Abteilung Fußball. Mehr könnte es natürlich immer sein und dies wäre auch wünschenswert. Festzuhalten ist aber, dass wir keine Verluste verbuchen müssen, alle weiteren Ausgaben in angemessenem Maße tätigen können und uns für den hauptamtlichen Mitarbeiter finanziell nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.


Das ist die gute Nachricht für den TSV SHE. Nun kommt aber die schlechte für Sie und Sie werden es vermutlich schon geahnt haben: Ohne fleißige Beteiligung der Eltern, Jugend- und Herrenspielern sowie Umfeld in Form von Mitgliedsbeiträgen, aber auch als Helfer, Kuchenbäcker usw. bei Veranstaltungen, geht es nicht. Dies ist schon einmal der erste Baustein unserer Finanzierung und er ist auch ein wichtiger.


Vor allem das Thema Mitgliedsbeiträge soll uns jetzt erstmal beschäftigen. Für jeden Verantwortlichen ist es eine unangenehme Aufgabe, derjenige zu sein, der sich für eine Erhöhung der Beiträge einsetzt. Aber fragen Sie sich bitte auch, was die Alternativen sind und wie es in den nächsten fünf, zehn oder zwanzig Jahren in Ihrem Verein weitergehen soll oder wird. Sehen Sie hier keine Probleme, dann können Sie den Blogbeitrag an dieser Stelle verlassen. Glauben Sie aber, dass die Zukunft immer schwieriger wird, dann müssten Sie über Änderungen und neue Wege nachdenken, auch wenn diese schwerfallen, weh tun und nicht bei allen Vereinsmitgliedern auf ein positives Echo stoßen werden. Meine Erfahrung ist aber auch: Denjenigen Personen, die neuen Wegen oft sehr kritisch gegenüberstehen (sei es bei einer Erhöhung der Mitgliedsbeiträge oder bei Spielgemeinschaften, Fusionen etc.) fehlen oftmals auch bessere alternative Lösungen und in den allermeisten Fällen sind diese auch nicht bereit, im Verein Führungspositionen zu übernehmen. Sie stellen sich dieser Verantwortung und können daher jetzt gestalten. Sieht sich jemand in der Lage, dies besser zu machen, dann soll er sich mit seinem Programm, seinen Lösungsvorschlägen und Zukunftsideen auf der nächsten Versammlung einbringen. Aber bitte konkret. Was alles vermeintlich nicht geht und schlecht ist, bringt niemanden weiter. Es müssen umsetzbare und nachhaltige Zukunftsvisionen auf den Tisch. Und die fehlen zumeist.


Vor der Einführung unserer Vollzeitstelle wurden auch beim TSV SHE in moderatem Maße die Beträge angepasst. Bestätigt wurde unsere damalige Beitragserhöhung durch einen Artikel zum Amateurfußball-Kongress 2012, der online einsehbar ist und den einerseits ernüchternden aber eben auch bezeichnenden Titel trägt: „Ohne Moos nix los – Amateurfußball und Finanzen“. Die Autoren kommen darin GANZ KLAR zu dem Schluss, dass ein sehr niedriger Mitgliedsbeitrag KEIN Qualitätsmerkmal bei kleinen Sportvereinen ist, sondern eher ein Hindernis bei der Gestaltung und Sicherung der eigenen Zukunft.


Zwei Kommentare zu einer möglichen Beitragserhöhung seien mir an dieser Stelle vorab noch gestattet. Die Fußballabteilungen im Breitensport leisten immenses. Dieses Engagement fällt wesentlich leichter, wenn man dann nicht zusätzlich noch jeden Cent dreimal umdrehen muss und geeignete Rahmenbedingungen schaffen kann, innerhalb derer die Aufgabe den Ehrenamtlichen möglichst viel Spaß macht. Auch unabhängig von einer Vollzeitstelle sollten Sie sich darüber Gedanken machen. Es hilft, wenn die Mittel für Trainerausstattung, Platzpflege, Abschlussfeiern, Ausflüge usw. vorhanden sind und ohne großes Gebettel und Nachrechnen unkompliziert zur Verfügung stehen. Und mein Rat wäre, hieran zu arbeiten. Eine Beitragsanpassung ist daher in jedem Falle angemessen und auch wenn Sie keinen Hauptamtlichen beschäftigen, leisten Sie auch aktuell schon genug, um einen Beitrag von bspw. 20 Euro pro Monat (240 Euro pro Jahr) zu rechtfertigen (beim TSV SHE sind die Beiträge deutlich geringer, dies wäre aber die Größenordnung, die ich Ihnen empfehlen würde). Dies werden nicht alle Mitglieder und Eltern einsehen, die meisten bei guter Informationspolitik und Begründung aber schon. Beim TSV SHE haben wir auch die Möglichkeit, einzelnen Mitgliedern den Beitrag zu erlassen, sollten diese größere finanzielle Probleme haben und es sich nicht leisten können. Diese können immer diskret auf uns zukommen und unser Gesamt-TSV-Vorstand ist sehr sozial eingestellt, sodass ganz sicher kein Mitglied den Verein verlassen muss, weil es sich den Beitrag nicht leisten kann.

Hier wäre ich aber auch schon bei meiner zweiten Anmerkung und ich hoffe, dass mich Eltern und Spieler an dieser Stelle nicht falsch verstehen: Mein Eindruck ist aber, dass sich höhere Beiträge für einen Sportverein ehrlicherweise jeder leisten können sollte. Alle Fußballabteilungen, die ich kenne, sind unheimlich bemüht, ihren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ein möglichst gutes Umfeld zu bieten und viele Ehrenamtliche reiben sich zu diesem Zweck fast schon auf. Allein diese Tatsache ist unterstützenswert, auch mit Blick auf das eigene Kind oder die Aktivität als Spieler. Zudem können in anderen Lebensbereichen wie Fitnessstudio, Schlagzeugunterricht, Hip-Hop-Dance, Reiten, Eishockey usw. zumeist auch nochmals wesentlich höhere Beiträge bezahlt werde. Hier ist dies von Anfang an klar und wird auch hingenommen. Beim Fußball wird dagegen ein Beitrag erwartet bzw. hat sich etabliert, der nicht einmal oder vielleicht gerade so die Kosten deckt. Wenn ich viele Kinder bei uns im Verein ansehe, haben diese oftmals gleich mehrere original Bundesliga- oder Nationalmannschafts-Trikots im Schrank, zudem Hefte voller Fußballkarten und Sticker. Hierfür ist viel Geld vorhanden, für den eigenen Verein, der die Kicker zwei bis drei Mal pro Woche betreut und sich hier auch anstrengt in den Augen einiger Eltern und Vereinsmitglieder aber nicht. Ich denke, wenn wirklich alle ehrlich zu sich sind, müssen und können wir eins festhalten: 20 Euro Beitrag pro Monat ist im Fußball berechtigt, für fast alle Familien bezahlbar und ermöglicht den Vereinen ganz neue Perspektiven. Es muss dann keine Vollzeitstelle geschaffen werden, Sie können auch Ihren ehrenamtlichen Trainern und/oder dem Platzwart eine kleine Aufwandsentschädigung bezahlen, diese mit Trainingskleidung ausstatten oder das Geld für Vereinsheimsanierung, Mähroboter, Ausflüge, Abschlussfeiern, Reinigungskraft für das Vereinsheim und, und, und verwenden. Von der Hand in den Mund leben ist aber für mich kein Dauerzustand und wünschen sich die Eltern und Vereinsmitglieder, dass es in den kleinen Vereinen vor Ort in ausreichendem Maße weitergeht, so sollten es ihnen diese 20 Euro pro Monat wert sein.


„Musterkalkulation“ für kleine Dorfvereine

Bevor ich etwas näher auf den TSV SHE-Finanzierungsmix eingehe, an dieser Stelle ein „Muster-Haushaltsplan“, wie ein kleiner Breitensportverein (evtl. in Zusammenarbeit mit einem Nachbarverein) mit einem Mitgliedsbeitrag von 20 Euro pro Monat wirtschaften könnte. Sollten Sie sich gegen einen Vollzeitbeschäftigten entscheiden, könnten Sie die dafür veranschlagten 35.000 Euro anderweitig verwenden, bspw. wie oben beschrieben, um den ehrenamtlichen Trainern, Platzwart und Reinigungskraft eine kleine Aufwandsentschädigung zu bezahlen. Sind Ihnen 20 Euro pro Monat zu viel, dann könnten/müssen Sie dies durch erhöhte Einnahmen bei Veranstaltungen / Sponsoring / Vereinsheimbewirtung ausgleichen (so ist es beim TSV SHE der Fall).


Folgende vier Stellgrößen habe ich verwendet. Diese werden natürlich von Verein zu Verein stark abweichen, können aber vielleicht als grober Richtwert dienen:


1) Mitgliedsbeiträge:

Aktive Herren-, Jugend- und Kinderspieler: 240 Euro Jahresbeitrag

Sonstige Mitglieder: 50 Euro Jahresbeitrag

(Gerechnet mit 150 Kindern und Jugendlichen sowie 40 Herrenspielern. Vereine, die als JFG oder SG antreten, könnten ungefähr diese Spielerzahlen haben. Dazu 200 "sonstige Mitglieder")



2) Veranstaltungen:

Ein Sommerturnier, das für Kinder ohnehin ein Highlight wäre und das von Ihrem Hauptamtlichen oder den ehrenamtlichen Trainern organisiert werden könnte. Zudem ein Hallenturnier oder Fußballcamp. Haben Sie – wie viele Vereine – andere Veranstaltungen, tragen Sie diese hier ein.



3) Sponsoring:

Hier kalkuliere ich mit 8.000 Euro Nettoeinnahmen. Beim TSV haben wir für viele kleine Unternehmen Sponsorenpakete (Bandenwerbung, Spielankündigungsplakate usw.) erstellt. 8.000 Euro dürften für kleinere Vereine eine ambitionierte, aber realistische Stellgröße sein.



4) Vereinsheim:

Egal ob verpachtet oder selbst bewirtschaftet. Ich kalkuliere hier mit ca. 10.000 Euro Jahres-Netto-Einnahmen. Beim TSV SHE tragen wir jeweils den Erfahrungswert aus den Vorjahren in unsere Kalkulation ein und liegen höher als der genannte Betrag.




Ergänzend zu dieser Muster-Kalkulation gebe ich Ihnen jetzt etwas detaillierteren Einblick in unseren TSV SHE-Haushaltsplan. Nach Rücksprache mit unserer Vorstandschaft nehme ich aber im Rahmen des Buches keine konkreten Zahlen auf, sondern nur Prozentwerte und bitte Sie hierfür um Verständnis. Ich hoffe aber, dass auch diese Darstellung einen ersten Überblick liefert und auch zeigt, dass wir nicht von einem einzelnen großen Sponsor oder Gönner abhängig sind, sondern unser Haushaltsplan auf Einnahmequellen basiert, die prinzipiell jedem Breitensportverein in ähnlichem Maße zur Verfügung stünden. Bei konkreteren Fragen biete ich Ihnen auch an, mich jederzeit anzuschreiben (kindertrainer@gmx.de).


In der „Endabrechnung“ kommen wir jährlich ebenfalls wie in der oben angeführten Musterkalkulation auf einen durchschnittlichen Überschuss von ca. 4.000-6.000 Euro, auch wenn die konkreten Gesamteinnahmen und - ausgaben in unserem Falle nochmals einen Tick (ca. 25 %) höher sind. Der größte Unterschied zur Musterkalkulation besteht vielleicht darin, dass bei uns die Mitgliedsbeiträge prozentual weniger ins Gewicht fallen, wir dafür aber bei Veranstaltungen, Sponsoring und Vereinsheimbewirtung höhere Einnahmen erzielen.


1) Mitgliedsbeiträge

Wir haben zu Beginn meiner Tätigkeit (2012) die Mitgliedsbeiträge wesentlich weniger stark erhöht als oben mit den 20 Euro monatlich empfohlen. Bei Kindern und Jugendlichen betragen diese beim TSV SHE derzeit 85 Euro pro Jahr. 11 Euro gehen an den Hauptverein, 74 Euro bleiben uns als Abteilung Fußball. Um es also ganz verständlich auszudrücken: Bei uns bezahlt ein Elternteil derzeit weniger als 6,20 Euro pro Monat an die Fußballabteilung (uns bleiben ja „nur“ die 74 Euro). Dies sollte der Aufwand, den wir das ganze Jahr über zur Betreuung der Kinder betreiben wirklich wert sein. Unsere Erfahrung ist aber: Für die allermeisten Familien ist dies auch kein großes Thema. Im ersten Moment mussten vielleicht einige Schlucken und vereinzelte Beschwerden und Nachfragen gab es damals schon. Im Großen und Ganzen war und ist dies aber für alle trag- und nachvollziehbar. Unsere Eltern sind darüber hinaus sogar noch bereit, uns als Helfer, Kuchenbäckerinnen, Trainingsaushilfen und, und, und sehr gerne weit über diesen Beitrag hinaus zu unterstützen (an dieser Stelle: Danke liebe TSV SHE-Eltern!).


Die aktiven Herrenspieler (die regelmäßig an Trainings und Spielen teilnehmen) entrichten derzeit 120 Euro. Hiervon gehen wieder 20 Euro an den Hauptverein der damit Sportversicherung, Turnhallengebühren, Homepage- und Verwaltungsaufwand usw. deckt. Uns bleiben für jeden Herrenspieler demnach 100 Euro pro Jahr. Macht man sich bewusst, dass ein geeigneter Trainer für die 1. Herrenmannschaft in der Regel ca. 400-800 Euro pro Monat verlangt (und dies bei dem – oft nicht gesehenen – Aufwand auch berechtigt ist), braucht man ca. 60 (!) aktive Herrenspieler, um überhaupt diese Kosten zu decken. Platzpflege, Warmwasser, Flutlicht- und Stromkosten sind hier noch gar nicht eingerechnet. Kurzum: Ein Verein zahlt eigentlich für jeden Seniorenspieler – auch bei einem Beitrag von 120 Euro – übers Jahr gesehen noch drauf. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Wir sind unglaublich froh und dankbar für jedes Mitglied und jeden Spieler im Nachwuchs und Herrenbereich. Hier geht es nur einmal darum, jedem bewusst zu machen, mit welchen finanziellen Herausforderungen die Vereine aber eben auch zu kämpfen haben und dass es auch hier auf Dauer für einen Apfel und ein Ei nicht weitergehen wird. Bei uns wird dieses „Draufzahlen“ jedoch wie bei den Kindern und Jugendspielern dadurch etwas abgefangen, dass viele aktive Herren auch als Helfer bei Turnieren, in der Kinderbetreuung, beim Fußballcamp, in der Vereinsheimbewirtung usw. eingespannt werden.


Für alle weiteren, d. h. Passive, AH-Spieler oder sonstige geführten Mitglieder, die weder unter 18 (85 Euro Jahresbeitrag) noch aktive Herrenspieler (120 Euro Jahresbeitrag) sind, veranschlagt der TSV SHE 65 Euro im Jahr (20 für den Gesamtverein, 45 bleiben der Sparte Fußball). Dies sind auch Mitglieder, die uns einfach so fördern möchten und oftmals die Kinder-, Jugend- und Herrenmannschaften in einem kleinen finanziellen Rahmen unterstützen wollen (auch hierfür ein großes Dankeschön!).


Das war es schon bei den Beiträgen. Sie sehen, es ist machbar und wir hatten im Zuge der Erhöhung keinen spürbaren Aderlass. Viele Eltern und Spieler sind bereit, diese Kosten zu tragen und die wenigen, die es evtl. nicht sind, müssen es dann halt einfach, so leid es mir/uns auch tut. Im Rahmen dessen, was die Fußballabteilungen das ganze Jahr über leisten, sollte dies angemessen sein. Die Einnahmen aus den Beiträgen sind derzeit unser größter Einnahmeposten und machen ca. 30-35 % der Gesamterträge aus.


Ich würde Ihnen aber an dieser Stelle aber nochmals eher ans Herz legen, von unserer Beitragsstruktur abzusehen und wirklich auf ca. 20 Euro Monatsbeitrag zu gehen – auch wenn ich weiß, dass dies sehr viel Mut und Durchhaltevermögen erfordert. Mit diesem Geld könnten Sie aber gut wirtschaften (unabhängig davon, ob sie einen Hauptamtlichen einstellen) und die Höhe ist meines Ermessens absolut gerechtfertigt. Eine Anpassung wird einmal weh tun (egal, ob sie auf 85 oder 240 Euro Jahresbeitrag gehen), sollte aber mit einer guten Informationspolitik nachvollziehbar sein. In unserem Falle ist es so, dass die Beiträge uns sehr helfen, aber nicht hoch genug sind, um nicht das ganze Jahr über „Vollgas“ fahren zu müssen. Für uns bedeutet dies, dass wir permanent versuchen, noch Veranstaltungen zu organisieren, unsere Abteilung Faschingsbälle, Altpapier-sammlungen etc. ausrichtet, um finanziell zusätzliche Mittel zu generieren. Einerseits ist dieses umtriebige Zusammensein sehr gut für das Vereinsleben. Andererseits kann es für alle Beteiligten viel Kraft und Energie kosten. Nicht nur für einen Hauptamtlichen, sondern auch für Abteilungsleitung, Spieler und Eltern, die regelmäßig als Helfer, Kuchenbäckerinnen usw. beansprucht werden. Mein Eindruck ist, dass Sie finanziell soweit gut aufgestellt sein sollten, dass Sie diese Veranstaltungen ausrichten können, wenn sie es wollen, aber nicht aus finanziellem Druck gezwungen sind, dies zu leisten. In unserem Falle ist es zumindest aus meiner Perspektive so, dass wir gar nicht auskommen und das Jahr über viel, viel, viel Zusatzaufwand betreiben müssen, um finanziell im grünen Bereich zu bleiben. Mein Ratschlag wäre daher: Setzen Sie die Beiträge lieber etwas höher und gehen Sie die Zusatzveranstaltungen dann lockerer an, als wir dies tun. In der oben angeführten Musterkalkulation habe ich dies daher auch so berücksichtigt.


2) Veranstaltungen

Neben den Mitgliedsbeiträgen sind die oben angesprochenen Veranstaltungen unser zweitgrößtes Standbein. Unsere Abteilung ist im Fasching sehr aktiv und fleißig und erwirtschaftet hier jährlich einen guten Betrag – wenn auch unter immensem Energieaufwand. Ein ähnlicher Kraftakt kommt jedes Jahr im Juli auf uns zu, wo wir zwei tolle Sommerturnierwochenenden für Bambini- bis D1-Mannschaften ausrichten und anschließend ein Fußballcamp mit bis zu einhundert teilnehmenden Kindern aus der Region auf die Beine stellen. Beides sind großartige Events, auf die wir sehr stolz sind, für die wir auch viel Anerkennung und Lob bekommen und auch mehr erwirtschaften als in der Musterkalkulation angegeben. Andererseits ist der Aufwand für den gesamten Verein jedoch RIESIG. Wir können froh und dankbar sein, dass sich jährlich fast alle Eltern, Herren-, AH-, Jugendspieler und auch einige sonstige, der Fußballabteilung verbundene Mitglieder hier aktiv einbringen und großartiges leisten. Wünschenswert wäre es dennoch, dass Sie solche Veranstaltungen vielleicht eher als ergänzendes Zubrot und in kleinerem Ausmaß ausrichten können. Wollen wir eine gesunde Jahresbilanz haben, kommen wir aber beim TSV SHE derzeit um die Faschings- und Juli-Veranstaltungen nicht herum.


Ergänzend hierzu richten wir übers Jahr gesehen noch einige weitere kleinere Turniere aus, darunter fallen zwei Hallenturnierwochenenden und Mini-Freiluftturniere, zu denen wir je Altersklasse bis zu vier Gästeteams aus den Nachbarvereinen einladen. Zudem einige ergänzende Veranstaltungen, die weniger mit Fußball zu tun haben, aber einen kleinen Zuschuss in die Kasse spülen.


Bei allen sportbezogenen Events bin ich führend organisatorisch eingespannt. Über die Vollzeitstelle gelingt es uns somit auch, zusätzliche Mittel zu erwirtschaften, die diese so zumindest zu einem Teil zu refinanzieren. Der Anteil der Veranstaltungseinnahmen an unserem Gesamtmix beträgt jährlich ca. 25-30 %.


3) Sponsoren-Gelder

Die dritte Säule in unserer Finanzierung sind die Sponsorengelder. Beim TSV SHE gibt es keinen einzelnen großen Gönner, der uns mit einem überdurchschnittlichen Betrag unterstützt, sondern sehr viele kleine, die sich jeweils mit Beiträgen von 100 bis maximal 750 Euro (je nach Paketauswahl) beteiligen. Und seien wir ehrlich: Die Sponsoren im unteren Amateurbereich tun dies mehr aus sozialer Verantwortung und dem Willen, die Kinder- und Jugendarbeit vor Ort zu unterstützen, als aus Werbe- oder Eigeninteresse (daher an dieser Stelle auch ein riesiges Dankeschön an unsere Gönner!). Sie unterstützen, weil ihnen oftmals bewusst ist, dass die Vereine eine wichtige gesellschaftliche und soziale Aufgabe vor Ort übernehmen und sie hier einen Beitrag leisten wollen. Als wir damals eine Vollzeitstelle geschaffen haben, machten sich die Mitglieder der Abteilungsleitung auf den Weg zu den lokalen Kleinunternehmen, haben dieses Vorhaben erläutert und bei den kleinen Firmen erklärt. Fast alle waren bereit, die Anstellung eines hauptamtlichen Mitarbeiters im örtlichen Sportverein, der die Nachwuchsarbeit in der Gemeinde nachhaltig voranbringen soll, mit leicht erhöhten Sponsorenkosten zu unterstützen. Wie viele Eltern und Mitglieder im Vereinsumfeld sahen auch die (sehr kleinen) Unternehmen, dass mittel- und langfristig neue Konzepte geschaffen werden sollten, um unsere Fußballabteilung möglichst gut für die Zukunft aufzustellen. Sie waren daher gerne bereit, einen Beitrag zu leisen. Dieser Einnahmeposten beläuft sich bei uns auf ca. 18-23 % der Jahreseinnahmen.


4) Erträge aus den Sportheimen

Unsere Vereinsheime bewirtschaften wir wie viele Dorfklubs selbst. Da wir ein fusionierter Verein sind, stehen uns zwei Sportanlagen zur Verfügung, eine in Seeg, eine in Hopferau-Eisenberg. Bei Heimspielen, Trainings und Turnieren teilen wir die Dienste selbst ein (wir haben hierzu eine Arbeitsgruppe im Verein und bei Kinder- und Jugend kümmere ich mich um diese Aufgabe) und die aktiven Seniorenspieler müssen hier zweimal pro Jahr eine Woche ausschenken, verkaufen und eine Brotzeit besorgen. Funktionierende Sportheime sind sehr wichtig, auch für die Geselligkeit in der Abteilung. Es ist zwar einerseits ein Kraftakt, die Aktiven hier zur Mitarbeit zu motivieren, andererseits geht es für die allermeisten kleineren Amateurvereine zumeist nicht anders und ist auch finanziell ein wichtiger Baustein, der bei uns mit immerhin 15-20 % an den Gesamteinnahmen zu Buche schlägt.


TSV SHE-Einnahmen / Ausgaben-Posten (TSV SHE-Kalkulation mit Prozentwerten):

[1] Kleine Geschenke und Aufmerksamkeiten für unsere ehrenamtlichen Trainer. Hier wäre mehr Geld wünschenswert.

[2] Hierunter fallen bei uns Kosten rund um die Vereinsheime, also Warmwasser, Strom, Heizung, Reparaturen etc., aber auch die Kosten zur Platzpflege, also für Mäher, Diesel etc.

[3] In Hopferau-Eisenberg ist bald ein Neubau oder eine immense Sanierung des Vereinsheimes geplant. Hier unterstützen die Gemeinden sehr, die Abteilung Fußball muss aber auch einen Beitrag leisten, für den wir jährliche Rücklagen einplanen.

[4] Hierunter fallen z. B. kleinere Turniere, Beteiligung der Fußballer an Dorfveranstaltungen, bei denen Einnahmen erzielt werden usw.

[5] Alle 3-5 Jahre müssen unsere Plätze saniert, d. h. gestöpselt, aufgesandet und vertikutiert werden. Dies nimmt eine Fachfirma für uns vor, wir bilden aber jährlich Rücklagen für diese teuren Maßnahmen.

[6] Weihnachts- und Abschlussfeiern für ca. zwanzig Mannschaften. Hier beteiligen sich in der Regel Spieler und Eltern, aber auch der Verein mit einem Zuschuss. Hier hätten wir z. B. gerne mehr Geld zur Verfügung.

[7] Kosten für Spielerpässe, Verbands-Schiedsrichter, IT-Gebühren usw.


Mein Eindruck: Eine solche Auflistung wirkt recht simpel und vereinfacht, hilft aber enorm. In unserem internen Haushaltsplan ersetzen wir die Prozentwerte natürlich durch die realen Zahlen und erwirtschaften wie erwähnt im Normalfall einen Überschuss von durchschnittlich 4.000-6.000 Euro pro Jahr. Das überschüssige Geld legen wir zurück, da für die Abteilung in Zukunft auch vereinzelt deutlich höhere Ausgaben anliegen, so zum Beispiel die Finanzierung von Trainerscheinen, die Anschaffung eines oder zweier Mähroboter und/oder der Neubau oder die Sanierung des Vereinsheimes in Hopferau-Eisenberg. Zudem wäre es IMMER wünschenswert, mehr Geld für die ehrenamtlichen Jugendtrainer, Platzpflege sowie Abschlussfeiern und Ausflüge zur Verfügung zu haben. Möglich ist es demnach auch finanziell in einem kleinen Amateurverein, einen hauptamtlichen Mitarbeiter zu beschäftigen oder sich finanziell deutlich nachhaltiger und zukünftsfähiger aufzustellen als bislang. Beim TSV SHE funktioniert dies ökonomisch solide, nachhaltig und gesund.

Zum Verfasser:

Tobias Scherbaum ist hauptamtlicher Jugendkoordinator in einem Breitensportverein. In seinem Blog stellt er Überlegungen zur Zukunft des Breitenfußballs im unteren Amateurbereich an und gibt Einblicke in seinen Arbeitsalltag. Im vorangestellten Beitrag zeigt er auf, wie es dem TSV Seeg-Hopferau-Eisenberg (TSV SHE) als kleinem Dorfverein gelingt, einen Vollzeitbeschäftigten zu finanzieren.


Weitere und ausführlichere Infos im Buch und Blog:

"Der zufriedene Kindertrainer "

www.der-zufriedene-kindertrainer.de

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