Grundgedanken

Über strukturelle Veränderungen nachdenken dürfen!

Vielen Vereinsverantwortlichen und Abteilungsleitern ist es bewusst: Unsere Dorfklubs sowie viele weitere kleine Amateurvereine kämpfen ums Überleben. Es gibt nicht nur immer weniger Herren-, Jugend- und Kindermannschaften, sondern auch bei den Personen, die dauerhaft bereit sind, sich mit viel Zeit- und Energieaufwand in einem Verein einzubringen, gehen die Zahlen ganz klar und scheinbar unaufhaltsam nach unten. 

Die Ursachen für diese Entwicklungen sind vielfälltig: Eine sich immer weiter wandelnde Bildungs- und Berufswelt, in der sowohl das Abwandern an den Studienort wie auch Schichtarbeit an der Tagesordnung stehen. Der viel-zitierte demografische Wandel, der ebenfalls dazu führt, dass in ländlichen Regionen ohnehin immer weniger Kinder- und Jugendliche aufwachsen. Zahlreiche weitere Freizeitmöglichkeiten und Hobbys, wie auch Handy, Konsole und Internet tragen, ebenso wie der Mangel an Ehrenamtlichen darüber hinaus ihren Teil dazu bei, dass Kicken bei vielen nicht mehr angesagt ist.

Um es kurz zu sagen: Die Rahmenbedingungen haben sich gewandelt und lassen sich nicht mehr mit denen von vor 15, 20 oder gar 30 Jahren vergleichen. Wer dies nicht wahrhaben möchte oder bestreitet, trägt vermutlich keine Verantwortung in seinem Verein oder in seiner Fußball-Abteilung.

Noch schaffen es viele kleine Clubs - oftmals unter erheblichem Aufwand und Einsatz einiger weniger Ehrenamtlicher - sich über Wasser zu halten. Doch wie lange noch? Die Uhr tickt.

Das Nachdenken über neue, zukunftsfähige und nachhaltige Strukturen für die Dorfvereine muss erlaubt sein. Auch wenn einigen "Alteingesessenen" , Spielern und Eltern der Kontakt und die Kooperationen mit den Nachbarvereinen suspekt sind und dies manchmal auf wenig Gegenliebe stößt: Anders geht es nun einmal kaum noch und sinnvolle Alternativen sind Mangelware. 

Doch auch diese Zusammenarbeit ist oftmals nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Die eigene Abteilung über SGs, JFGs oder Fusionen auf Dauer für die Zukunft auszurichten ist ein nachvollziehbares Anliegen und für viele ohne Zweifel ein unumgänglicher Schritt. Aber reicht das?

Beim TSV Seeg-Hopferau-Eisenberg e. V. (TSV SHE) sind wir noch einen Schritt weiter gegangen und haben neben der Fusion zweier Nachbarvereine eine Vollzeitstelle für den Kinder-, Jugend- und Breitenfußball geschaffen. Ein hauptamtlicher Mitarbeiter koordiniert und organisiert den Trainings- und Spielbetrieb der Fußballabteilung, kommuniziert mit den Eltern, betreut einige Mannschaften federführend und unterstützt bei den anderen Teams wo Bedarf ist.

Nach acht Jahren sind die Erfahrungswerte überwiegend positiv. Zwar gibt es auch hier noch Defizite und Verbesserungsbedarf. Dennoch können fast jedes Jahr aus eigener Kraft alle Altersklassen besetzt und betreut werden. Zwischen 17 und 21 Mannschaften meldet der TSV SHE jede Saison für den Spielbetrieb und liegt damit deutlich über dem Durchschnitt. Auch die Finanzierung einer solchen Arbeitsstelle lässt sich realisieren und umsetzen.

Dies ist sicher nicht der einzige gangbare Weg. Auch überschaubare pauschale Aufwandsentschädigungen für ehrenamtliche Trainer, Betreuer, Platzwarte und Reinigungskräfte können alternativ oder ergänzend vielleicht dazu beitragen, dass wieder mehr Personen dazu bereit sind, sich ins Vereinsleben einzubringen und hier eine Aufgabe zu übernehmen.

Beide Varianten (Anstellung eines hauptamtlichen Mitarbeiters sowie pauschale Aufwandsentschädigungen für Trainer / Platzwart / Reinigungskraft) lassen sich für viele Dorfvereine nur durch eine spürbare Anpassung der Mitgliedsbeiträge realisieren. Unser Erfahrungswert hier: Begeistert über höhere finanzielle Aufwendungen ist niemand. Wird ein solches Vorgehen aber sachlich begründet, akzeptieren es die Vereinsmitglieder. Zumal den meisten bewusst sein müsste, dass langfristig gangbare Alternativen derzeit nicht absehbar sind und die Fußballabteilungen neue Wege zur Gestaltung und Sicherung ihrer Zukunft suchen müssen.

Ein "weiter wie bisher" wird für viele kleine Amateurvereine nur noch begrenzt möglich sein. Mit den beiden oben genannten Alternativen möchte ich auf dieser Website und dem dazugehörigen Buch zumindest zwei prinzipielle Möglichkeiten zur Diskussion stellen, wie dem Mangel an Ehrenamtlichen sowie dem starken Rückgang an Nachwuchs- und Seniorenspielern vielleicht ein Stück weit entgegen gewirkt werden kann.

Sollten Sie diese Grundgedanken nachvollziehen können, lade ich Sie ein, sich im Schriftstück "Der zufriedene Kindertrainer" einen Gesamtüberblick über das TSV SHE-Konzept zu verschaffen und zu überprüfen, ob hier weitere Anregungen für Sie enthalten sind. Im Blog versuche ich zudem einzelne Kapitel- und Themenbereiche des Buches, wie die beispielsweise die Finanzierung einer solchen Vollzeitstellemögliche Aufgabenbereiche eines hauptamtlichen "Jugendkoordinators" oder einige weitere Gedankengänge rund um neue Zukunftsmöglichkeiten für den Breitenfußball zusammenzufassen.

Ich hoffe, damit einen kleinen Beitrag leisten zu können, unsere Fußball-Amateurvereine trotz schwieriger Umstände und Herausforderungen ein wenig zukunftsfester ausrichten zu können. Gerne tausche ich mich zu diesen Themen auch aus, da auch ich / wir immer dazulernen und uns verbessern möchten. Sie können mir daher jederzeit schreiben oder Kontakt zu mir aufnehmen (kindertrainer@gmx.de).